Ehekrise – scheiden oder getrennt leben?

Ehekrise – scheiden oder getrennt leben?

27.04.2022

Zwischen dem Getrenntleben und der Scheidung gibt es ein paar Unterschiede, die du beachten solltest:

    1. Wirrwarr der Begriffe

Umgangssprachlich wird das Getrenntleben vor der eigentlichen Scheidung meist Trennung genannt. Für den Fall, dass ein Ehepaar den gemeinsamen Haushalt aufheben möchte, enthält das Zivilgesetzbuch einige Regelungen zur Organisation des Getrenntlebens, welche auch Eheschutz genannt werden. Das Eheschutzverfahren dient heute regelmässig der Vorbereitung der Scheidung, weshalb es oft auch als «kleine Scheidung» bezeichnet wird. Eingeführt wurden die Regeln zum Eheschutz jedoch ursprünglich dem Namen entsprechend zum Zweck, eine in Schwierigkeiten geratene Ehe zu retten.

Neben dem Eheschutz (umgangssprachlich Trennung) gibt es noch die Ehetrennung, welche ebenfalls im Zivilgesetzbuch geregelt ist, heute jedoch nur noch sehr selten erfolgt. Anders als die Regelung des Getrenntlebens im Eheschutzverfahren ist die Ehetrennung nicht als Vorstufe zur Scheidung oder zur Sanierung der gefährdeten Ehe gedacht, sondern als Scheidungsersatz für Ehepaare, die eine Scheidung zum Beispiel aus religiösen Gründen ablehnen oder die sozialen sowie ehe- und erbrechtlichen Vorteile der Ehe bewahren wollen. Für eine Ehetrennung muss darum immer ein Scheidungsgrund (gemeinsames Begehren, zweijähriges Getrenntleben oder Unzumutbarkeit der Ehe) gegeben sein. Inhaltlich unterscheidet sich die Ehetrennung kaum von der Regelung des Getrenntlebens im Eheschutzverfahren. Es gibt jedoch einige wichtige Unterschiede. So tritt zum Beispiel bei der Ehetrennung immer die Gütertrennung ein, während diese im Eheschutzverfahren nur auf Antrag und Vorliegen wichtiger Gründe vom Gericht angeordnet werden kann. Zudem wird im Ehetrennungsverfahren grundsätzlich die güterrechtliche Auseinandersetzung durchgeführt. Dies bedeutet, dass bei der Ehetrennung das eheliche Vermögen zwischen den Ehegatten aufgeteilt wird, womit das Verfahren in der Regel aufwendiger ist als ein Eheschutz.

 

   2. Unterschiede zwischen Trennung (Eheschutz) und Scheidung

Bei einer Trennung ist Folgendes zu regeln:

  • die alleinige oder die geteilte bzw. alternierende Obhut über die Kinder, also welcher Elternteil die Kinder wann betreut, und bei alleiniger Obhut das Kontaktrecht des nicht obhutsberechtigten Elternteils;
  • der Unterhalt für das Kind und falls nötig für einen Ehegatten;
  • die Zuteilung von Wohnung und Hausrat;
  • ob dem Gericht ein Antrag auf Anordnung der Gütertrennung gestellt werden soll.

Kannst du dich mit deinem Ehegatten/deiner Ehegattin über das Getrenntleben und die Folgen des Getrenntlebens einigen, könnt ihr diese Abmachungen in einer Trennungsvereinbarung festhalten und müsst im Unterschied zur Scheidung grundsätzlich nicht zwingend vor Gericht gehen. Anderes gilt, wenn ihr gemeinsame, minderjährige Kinder habt: Die Trennungsvereinbarung muss dann vom Gericht genehmigt werden, damit die Abmachungen bezüglich der Kinderbelange (zum Beispiel der Obhut oder des Kindesunterhaltes) wenn nötig auch rechtlich durchsetzbar sind (zum Beispiel wenn sich der eine Elternteil nicht an die Vereinbarung hält). Gerne beraten wir euch im Zusammenhang mit einer solchen Vereinbarung oder setzen mit euch eine solche Vereinbarung auf, die ihr dem Gericht zur Genehmigung einreichen könnt.

Wenn ihr euch über die Trennung oder die Organisation der Trennung nicht einig seid, muss das      Gericht auf Gesuch eines oder beider Eheleute das Getrenntleben in einem Eheschutzverfahren bewilligen und die nötigen Regelungen für das Getrenntleben treffen (vgl. Aufzählung oben).

Im Unterschied zur Scheidung hat die Trennung keinen Einfluss auf

  • den Zivilstand;
  • den Familiennamen;
  • die Witwen- und Witwerrenten oder
  • die gegenseitige Erbberechtigung.

Zudem wächst das zu teilende Altersguthaben bei der Pensionskasse während der Trennungszeit weiter an. Für den Fall, dass das Gericht nicht bereits im Eheschutzentscheid die Gütertrennung angeordnet hat, wird während der Trennungsdauer auch weiterhin zum Zeitpunkt der Scheidung zu teilende Errungenschaft bzw. zu teilendes Gesamtgut gebildet.

 

Bei einer Scheidung ist zusätzlich Folgendes zu regeln:

  • das Sorgerecht für die Kinder;
  • ob der Mietvertrag für die eheliche Wohnung einem Ehegatten übertragen wird oder ob ein befristetes Wohnrecht am Eigenheim für einen Ehegatten nötig ist;
  • die güterrechtliche Auseinandersetzung;
  • die Teilung der während der Ehe angesparten Pensionskassenguthaben.

Mit der Scheidung wird die Ehe aufgelöst, womit vorbehältlich anderer Regelungen zwischen euch auch der Verlust aller erbrechtlicher Ansprüche gegenüber dem anderen (Ex-)Ehegatten einhergeht. Hast du bei der Heirat den Namen deines Ehegatten/deiner Ehegattin angenommen, steht es dir nach der Scheidung frei, wieder deinen Ledignamen anzunehmen.

Wenn du dich scheiden lassen willst, musst du dich zwingend an das Gericht wenden und ein Scheidungsgesuch stellen. Mehr Informationen zum Scheidungsverfahren findest du in unseren Blogs zum Thema Scheidung. Möchtest du mit deinem Ehegatten/deiner Ehegattin eine gütliche Gesamtlösung finden, welche anschliessend dem zuständigen Gericht zur Genehmigung eingereicht werden kann, sind unsere Packages für Familien genau das Richtige für euch.

Es ist schwierig zu ermessen, was im persönlichen Fall die beste Lösung ist. Damit dir die Entscheidung leichter fällt und du keine für dich wichtigen Punkte übersiehst, schauen wir deine persönliche Situation gerne mit dir an. Vereinbare dazu noch heute einen Beratungstermin mit uns.

 


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