01.07.2020

Wer entscheidet, wo dein Kind wohnt, wer sagt, wo es zur Schule geht? Wer die sogenannte elterliche Sorge innehat, vertritt das Kind gesetzlich, verwaltet sein Vermögen und kann über seinen Aufenthaltsort sowie über alle wichtigen Fragen das Kind betreffend entscheiden (Schule, Religion etc.). Die elterliche Sorge ist zu unterscheiden von der Obhut, welche umschreibt, beim wem das Kind hauptsächlich lebt.

 

Scheidung

Seit dem 1. Juli 2014 wird Eltern bei einer Scheidung die elterliche Sorge in der Regel gemeinsam zugeteilt. Vater und Mutter sollen wenn immer möglich gemeinsam entscheiden, selbst wenn es dabei zu Auseinandersetzungen kommt. Trotz Scheidung hat das Kind eine Mutter und einen Vater und wenn diese es schaffen, Entscheidungen gemeinsam zu fällen und zu tragen, kommt dies dem Kind zugute. Erfahrungen zeigen, dass Ex-Paaren etwas Zeit einzuräumen ist, um eine entsprechende Konfliktkultur entwickeln zu können.

 

unverheiratete Paare

Bei unverheirateten Paaren braucht es für die gemeinsame elterliche Sorge auch heute noch eine ­gemeinsame Erklärung der ­Eltern (zusammen mit der Vaterschaftsanerkennung abzugeben beim zuständigen Zivilstandsamt). Andernfalls steht - bei nicht verheirateten Paaren - die elterliche Sorge der Mutter alleine zu. Bist du als Vater damit nicht einverstanden, kannst du die gemeinsame elterliche Sorge bei der KESB (Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde) am Wohnsitz des Kindes beantragen. Die KESB hat sich in der Regel für die gemeinsame elterliche Sorge zu entscheiden.

 

Unterschied zwischen der alleinigen und der gemeinsamen elterlichen Sorge

Wird dir als Mutter (oder Vater; der Einfachheit halber wird nachfolgend von der Zuteilung an die Mutter ausgegangen) die alleinige elterlichen Sorge zugesprochen, so kannst du über die wesentlichen Fragen der Pflege, Erziehung und Ausbildung alleine entscheiden. Für das Kind ist es aber auch dann meistens das Beste, wenn du dich vor wichtigen Entscheidungen mit dem Vater besprichst und auf dessen Meinung Rücksicht nimmst. Zudem bist du auch bei alleiniger elterlicher Sorge verpflichtet, den Vater über wichtige Anlässe wie Schulbesuchstage, Elternabende etc. rechtzeitig zu informieren. Der Vater darf auch Schulzeugnisse einsehen. Der wesentliche Unterschied zwischen der gemeinsamen und der alleinigen elterlichen Sorge besteht also darin, dass die Mutter bei der alleinigen elterlichen Sorge alleine über "grosse" Entscheidungen wie den Wechsel des Wohnortes oder der Schule entscheiden kann.

 

wenn's eilt

In alltäglichen oder dringlichen Angelegenheiten oder wenn der andere Elternteil nicht mit vernünftigem Aufwand zu erreichen ist, kannst du als Vater auch bei alleiniger elterlicher Sorge der Mutter alleine entscheiden, wenn sich das Kind in diesem Zeitpunkt bei dir aufhält. Es ist allerdings nicht immer leicht abzugrenzen, wo es sich um eine "alltägliche" Angelegenheit handelt und wo nicht mehr. Alltägliche Belange sind etwa Frisur, Ernährung, Bekleidung, Medienkonsum und die punktuelle Freizeitgestaltung. Wenn die Freizeit­ge­stal­tung aber beinhaltet, dass das Kind neben einem wöchentlichen Training in einem Sportverein auch noch fast jedes Wochenende Termine (z.B. Turniere) im Zusammenhang mit dem Verein wahrzunehmen hat, dürfte es sich wohl nicht mehr um eine "alltägliche" Entscheidung handeln.

 

Entzug der elterlichen Sorge

Die elterliche Sorge kann den Eltern oder einem Elternteil entzogen werden, wenn die Elternpflichten schwer verletzt werden. Im Einverständnis der Eltern kann die KESB den Eltern die elterliche Sorge entziehen, wenn sie aus "wichtigen Gründen" darum ersuchen (z.B. Adoption).

Habt ihr als Eltern oder du als Elternteil Fragen rund um Entscheidungen betreffend Kinder? Dann komm zu YLEX. Wir klären das.

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