Mantelhandel – eine sinnvolle Alternative zur Gründung?

Mantelhandel – eine sinnvolle Alternative zur Gründung?

14.12.2020

Viele (Jung-) Unternehmer*innen sehen sich mit der Frage konfrontiert, in welcher Rechtsform sie ihre Geschäftsidee kleiden sollen. In der Schweiz sind KMU am häufigsten als Einzelunternehmen, als Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), oder aber als Aktiengesellschaft (AG) organisiert.

Insbesondere die beiden Kapitalgesellschaften (GmbH und AG) sind bei der Gründung kostenintensiv: Bei einer GmbH muss ein Stammkapital von mindestens CHF 20'000.00 liberiert werden, bei der AG ist eine Mindestliberierung von CHF 50'000.00 vorgesehen. Dazu kommen die Kosten für die Beurkundung sowie die Handelsregistergebühren. Angesichts dieser Kosten erwerben (Jung-) Unternehmer*innen immer wieder sog. Mantelgesellschaften zu sehr günstigen Preisen. Eine Mantelgesellschaft ist eine juristische Gesellschaft ohne wirtschaftlichen Zweck, welche nur noch als Rechtsgebilde besteht (deshalb «Mantel»).

Typische Merkmale für einen Mantelhandel

Ein Mantelhandel weist folgende typischen Merkmale auf:

  • Die verkaufte Gesellschaft (GmbH / AG) hat keine Aktiven, oder nur noch Aktiven in leicht realisierbarer oder liquider Form (bspw. leicht realisierbare Guthaben, Darlehen an Aktionäre).
  • Die neuen Eigentümer der Beteiligungsrechte (Stammanteile der GmbH, oder Aktien der AG) ändern die Statuten hinsichtlich Firma, Sitz und Zweck. Zudem erfolgt meistens eine komplette Neubesetzung der Geschäftsführung und / oder des Verwaltungsrates (AG).
  • Die Gesellschaft hat ihre Tätigkeit (Produktion, Handel, oder Dienstleistung) eingestellt und verfolgt somit ihren ursprünglichen Zweck nicht mehr.
  • Die Gesellschaft erhält durch die neuen Eigentümer eine neue, häufig von der früheren Tätigkeit abweichende Aktivität (bspw. hatte die Gesellschaft ursprüngliche den Zweck zur Führung eines Treuhandbüros und wird dann neu zur Führung einer Pizzeria genutzt).

Ein solcher Mantelhandel wird in der Praxis meist auf Grund des Handelsregistereintrages oder der Geschäftsabschlüsse durch die zuständige Handelsregisterbehörde festgestellt.

Rechtsfolgen

Der Mantelhandel bei einer Gesellschaft ist gemäss diverser Urteile des Bundesgerichts unzulässig. Stellt die Handelsregisterbehörde das Vorliegen eines nichtigen Handels mit einem Gesellschaftsmantel fest, weist das Handelsregister die Anmeldung zum Vollzug eines solchen Mantelhandels ab. Weiter sind gemäss Art. 20 OR Verträge, welche gegen die guten Sitten verstossen, nichtig. Dabei ist zu bedenken, dass bei einem möglichen Streitfall zwischen Käufer und Verkäufer, oder bei einer nachträglichen Entdeckung durch die Behörde der Kaufvertrag rückabgewickelt wird. Zudem muss beachtet werden, dass Gesellschaften, welche keine Geschäftstätigkeit mehr aufweisen und keine verwertbaren Aktiven mehr haben, zu löschen sind. Wird die Löschung nicht von der betroffenen Gesellschaft selbst angemeldet, so kann eine Löschung von Amtes wegen erfolgen.

Das Risiko, eine Mantelgesellschaft zu erwerben und dann den Traum des eigenen Unternehmens platzen zu sehen, ist hoch. Aus diesem Grund ist dringend von solchen Geschäften abzusehen.

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