Reform des Erbrechts in der Schweiz

Reform des Erbrechts in der Schweiz

30.04.2020

Das heutige Schweizer Erbrecht, geregelt im Schweizerischen Zivilgesetzbuch (ZGB), gilt seit Anfang des vergangenen Jahrhunderts und wurde seitdem nur in einzelnen Punkten verändert. Die Erbfolge in der Schweiz ist im Gesetz klar auf das klassische Familienmodell – also einen Ehepartner sowie gemeinsame Kinder – ausgerichtet.

Mittlerweile hinkt das Schweizer Erbrecht aber den stark veränderten Lebensrealitäten hinterher. Dies hat auch der Bundesrat bemerkt, welcher nun eine Modernisierung plant:

"Partnerschaften und Familien kennen heute ganz andere Formen als noch vor 100 Jahren, als das Zivilgesetzbuch (ZGB) und damit auch das Erbrecht in Kraft traten".

Geplant sind die folgenden Punkte:

Pflichtteil verkleinern

Der Erblasser kann heute nur beschränkt über das Schicksal seines Vermögens nach seinem Tod entscheiden. Die Kinder, der Ehepartner und in gewissen Fällen die Eltern haben nämlich einen Anspruch auf einen Mindestteil der Erbschaft, den der Erblasser berücksichtigen muss. Um die Verfügungsfreiheit des Erblassers zu erhöhen, will der Bundesrat diese so genannten Pflichtteile senken.

Finanzielle Absicherung für unverheiratete Paare

Um den überlebenden Partner vor finanziellen Härtefällen zu schützen, will der Bundesrat den Anspruch auf ein sogenanntes Unterhaltsvermächtnis einführen. Wenn der Partner beispielsweise durch Pflege oder durch finanzielle Hilfe erhebliche Leistungen im Interesse des Verstorbenen erbracht hat, soll er einen Teil der Erbschaft für seinen Unterhalt verlangen können.

Informationsrechte stärken

Bereits heute sind die Erben verpflichtet, sich gegenseitig über sämtliche Tatsachen zu informieren, die sich auf die Teilung der Erbschaft auswirken können. Neu ist eine Informationspflicht Dritter vorgesehen. Sie sollen den Erben alle das Vermögen des Verstorbenen betreffenden Informationen mitteilen müssen.

Smartphone ersetzt Zeugen

Neu soll in Situationen einer unmittelbaren Todesgefahr ein Nottestament auch via Smartphone aufgezeichnet werden können. Bei dieser Methode sind die zwei Zeugen, die bis anhin ein Nottestament beweisen mussten, nicht mehr notwendig.

Hast du Fragen zum Erbrecht? Wir klären diese.

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